#2 Ist der Tod ein Tabu – und wie gelingt es uns, darüber zu reden?
Shownotes
Der Tod ist Teil des Lebens – und doch fällt es uns manchmal schwer, darüber zu sprechen. Warum ist das so? Woher kommt unsere Angst vor dem Sterben? Und wie können wir lernen, offener mit diesem Thema umzugehen? Die zweite Episode von „In guten Händen @ Dobretsberger“ widmet sich einfühlsam und ehrlich genau diesen Fragen.
Mehr Infos zu Bestattung Dobretsberger: www.dobretsberger.at
„In guten Händen @Dobretsberger “ wird produziert von wepodit.
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00:00:04: Hallo und herzlich willkommen zu in guten Händen et Doppelitzberger, dem Podcast rund um Leben Tod und Trauer.
00:00:12: Mein Name ist Nora Meyer und gemeinsam mit dem Linzerbestatter Ehepaar Julia und Martin Doppelsberger spreche ich ab sofort monatlich über alles rund um diesen so spannenden Themenkreis.
00:00:26: Liebe Julia lieber Martin schön dass ihr wieder Zeit habt für mich
00:00:29: sehr gerne.
00:00:31: Warum haben wir eigentlich Angst vor dem Tod?
00:00:34: Es ist eine große Frage, die uns Menschen schon immer beschäftigt und der wir uns heute lieber Martin, liebe Julia im Podcast ein bisschen annähern wollen zumindest.
00:00:46: Deshalb gleich einmal meine erste Frage!
00:00:49: Ist es auch die Angst vorm Tod, die den ein bissel zum Tabuthema werden lässt so nach dem Motto?
00:00:56: darüber spreche ich nicht.
00:00:57: drum existiert das quasi in meiner Gegenwart nicht.
00:01:01: Erste große Frage.
00:01:02: Also ich glaube, uns ist die Endlichkeit schon sehr bewusst und wir sind ein Medial extrem konfrontiert mit Bildern oft viel zu intensiven Bildern über tote Menschen, über Unfälle, Katastrophen.
00:01:16: was uns fehlt ist die emotionale Auseinandersetzung weil die tut weh, die macht eine gewisse Schwere und der Tod ist das größte Nein des Lebens an uns.
00:01:26: Wir können unser Leben nicht resetten, wir sind gewohnt dass man alles irgendwie hinkriegen aber den Tod dann können wir nicht wieder hinkregen sondern der ist endgültig ja und an dem knabbern wir einfach total.
00:01:38: also das ist so eine Grund Entkränkung, dass wir als Menschen mit uns allen unseren Gedanken und seinen Gefühlen das wir eine Endlichkeit gegenüberstehen gegen die wir uns nicht wehren können.
00:01:49: Das ist der ultimative Kontrollverlust, das ist der ultimate Sicherheitsentzug und deswegen wollen wir uns emotional auf diesen einlassen weil es wir nicht erfassen können.
00:01:58: Es überfordert uns und deswegen ist einfach dieses Thema oftmals dass wir einen großen Bogen drum machen.
00:02:06: Also der Tod ist insofern kein Tabu-Thema, weil er sehr präsent ist.
00:02:13: Aber die Emotion zum Tod ist das Tabu.
00:02:18: Dass es einen Tod gibt, der mich so berührt, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht und der mich praktisch handlungsunfähig macht in einer Welt, die sich auf Leistung getrimmt ist – das ist unvorstellbar!
00:02:31: Und das ist ganz spannend, da die Trauer mit dem Tod einhergeht und die eigentlich sozusagen das Tabuthema ist,
00:02:40: d.h.,
00:02:41: eine socioökonomische Störung in unserem Alltag.
00:02:44: D.h.
00:02:45: wir sollen möglichst schnell wieder funktionieren damit wir in dieses Gesellschaftsbild, das wir uns aufgebaut haben, hineinpassen.
00:02:54: Insofern ist der Tod weniger das Problem als vielmehr diese Trauer, die den Tod umgibt – ja, damit ein Herr geht!
00:03:01: Und mit dem Umgehen zu lernen glaube ich, wichtige Lektionen im Leben die wir ja von klein an üben.
00:03:09: Das heißt wie verlieren immer wieder wichtige Dinge Beziehungen gehen in die Brüche Freunde ziehen weg oder Arbeitskollegen wechseln die Firma.
00:03:18: das heißt wir sind ja immer wieder damit konfrontiert zu trauern.
00:03:21: aber darüber sprechen tun wir selten.
00:03:24: Wir merken es ja in der medialen Berichterstattung meistens dann so Bestatter rund um aller Heiligen sehr präsent und da geht's auch um Trends, in der Bestattungsbranche.
00:03:33: Da geht's um Preise und da gibt's um sehr sachliche Bezüge.
00:03:38: und das merkt mir auch dass das Form ist das ganze Thema auf Distanz zu halten.
00:03:44: wir waren nur sehr sachlich darüber präsentiere da muss man als Journalist nicht damit auseinandersetzen.
00:03:50: also wenig oder spärlich wird über die emotionale Auseinandersetzung, wie die Trauerkomponente berichtet.
00:03:57: Sonst geht eher darum den Tod auf Distanz zu halten.
00:04:01: Das merkt man immer bei der Berichterstattung sehr sachlich-fachlich aber nicht emotional.
00:04:05: Und es ist ja spannend dass wir werden in einer anderen Podcastfolge mal über Kinder und Trauer sprechen.
00:04:10: Aber wenn wir heranwachsen als Kinder, da dreht sich die Welt um uns.
00:04:15: Also wenn wir auf die Welt kommen, dann sind wir der Nabel der Welt und alle anderen sind dafür da das es uns gut geht.
00:04:20: Das ist für Kinder auch ein wichtiges Überlebenskonzept Und dass es um uns geht spiegelt sich natürlich bis ins Erwachsenen und ins hohe Alter also ins Leben hinein.
00:04:32: Das heißt Wir haben schon immer wieder auch die Idee Dass wir wichtig sind und das geht genau dann in die Richtung welchen Sinn hat denn mein Leben?
00:04:41: Wieso bin ich denn eigentlich da was sozusagen Die Basis meiner Existenzberechtigung.
00:04:47: Und das kränkt uns natürlich, wenn wir sterben!
00:04:50: dass wir nicht mehr da sind und diese Welt dreht sich so unbarmherzig, völlig unbeeindruckt weiter.
00:04:55: Da möchte ich ansetzen!
00:04:58: Weil für mich ist es auch... Ich habe mich in der Vorbereitung eingedacht oder reingefühlt.
00:05:04: Wir möchten ja, das wollte ich jetzt eher aufgreifen, Juli im Podcast eben diese emotionale Seite aufgreiffen weil genau, wir könnten uns jetzt im Podcast nur mit sachlichen Themen beschäftigen und eine Begräbnisplanung darunter zu tun.
00:05:19: Aber wir haben ja genau deshalb auch gesagt, wir wollen im Podcast wirklich die Emotionen auch besprechen.
00:05:25: Und ich habe zum Beispiel furchtbare Angst davor, dass es einfach aus ist!
00:05:30: Also ich kann mir das nicht vorstellen, dass ich lebe da jetzt dahin und alles ... und dann plötzlich von heute auf morgen bin ich nimmer da.
00:05:39: Ich glaube bei mir ist dies die größte Angst, die ich hab' wie ihr da im Arbeitsalter konfrontiert werdet, aber ist das so die größte Angst, die die Menschen auch haben?
00:05:51: Dass es auf einmal aus ist.
00:05:53: Weil du das ja angesprochen hast.
00:05:54: Ich glaube dass die eigene Angst, dass es aus ist eher mehr über mich aussagt als über den Tod.
00:06:01: Das heißt vielleicht habe ich noch irgendwas ganz Wichtiges zu erledigen und glaube, dass die Welt ohne diesen meinen Leistungen nicht existieren kann.
00:06:09: Und keine Daseinsberechtigung hat oder wichtig ist, noch eine Idee in die Welt hinauszubringen.
00:06:18: Also dass man einen wenig diesen missionarischen Charakter hat oder aber eben das man für etwas Verantwortung hat und das nicht loslassen möchte.
00:06:26: Aber grundsätzlich glaube ich, wenn wir uns vom Tod umfangen im Leben wehnen dann ist es schon so, dass wir immer auch ein Auge darauf haben, wenig egoistisch zu sein Und viele mitmenschlichen zu leben weil am Ende des Tages der den Egoisten nicht ernst nimmt, zumindest wenn nicht auslacht.
00:06:51: Denn das was ich für mich tue, wo nur ich davon profitiere und niemand andere, das stirbt mit mir Und dann nehmen wir uns vielleicht manchmal ein wenig zu wichtig.
00:07:01: Gleichzeitig ist es aber menschlich.
00:07:03: Wir sind ja in diese Welt hereingeboren In der Vorstellung dass wir der Nabel der Welt sehen.
00:07:09: Das legen wir auch nie ganz ab.
00:07:11: Dann tut's natürlich weh dass es ohne mich auch funktionieren kann.
00:07:17: Und gleichzeitig ist es deswegen so wichtig, das was wir tun zu fokussieren und ich glaube das ist das was in der täglichen Arbeit mitnehmen oder aus der täglichen Arbeit heraus schöpfen können, dass wir uns auf das Mitmenschliche fokusieren und die egoistischen Züge des Lebens nach und nach ein wenig kleiner hält.
00:07:39: Also ich nehme jetzt für mich einmal mit, ich sollte vielleicht hinterfragen eben ob er seine Mission zu erfüllen gibt.
00:07:45: Ich vielleicht noch nicht so für mich gefunden habe und diesen Ego-Gedanken wobei zum Ego Gedanken möchte ich noch etwas sagen.
00:07:53: Ich meine nicht nur dass es ohne mich weitergeht sondern auch das dann einfach nichts mehr ist.
00:07:57: ja!
00:07:58: Und da kommen wir zur nächsten Frage was glaubt ihr denn?
00:08:01: persönlich, was nach dem Tod kommt.
00:08:03: Weil ich glaube, wenn ich dann wüsste okay ja es geht sicher irgendwie weiter anders halt Dann würde ich mir vielleicht leichter tun.
00:08:11: Julia, was ist da dein Gedanke?
00:08:13: Wissen
00:08:13: du mal's leider nicht!
00:08:14: Es ist noch nie jemand zurückgekommen bis auf diese Nahtoderfahrungen der sonst irgendwie berichten könnte.
00:08:20: aber also für mich ist das dass das Leben entsteht extremer zauber.
00:08:26: und da gibt's einen Moment den können wir auch medizinisch nicht herbeiholen, also wenn das Herz zum Schlagen anfängt vom Baby.
00:08:34: Das können wir nicht künstlich erzeugen.
00:08:37: Es ist so ein magischer Moment und ich denke da muss irgendein Liebe sein aus der wir geboren werden.
00:08:42: Nicht nur die Liebe der Eltern sondern man muss einen magischen Funken geben.
00:08:47: Und deswegen bin überzeugt dass wir in diese Liebe zurückkehren.
00:08:50: Also für mich keine Angst vor dem Tod.
00:08:52: Ich glaube dass wir ja in die Liebe zurückkern Aus der wir kommen
00:08:56: Martin?
00:08:57: Ja was wäre denn so schlimm anzunehmen, dass wir es nicht wissen.
00:09:03: Und gleichzeitig in den Bestreben das es die Möglichkeit gibt, dass etwas kommt oder auch die Möglichkeit, dass nichts kommt in der Welt das zu tun was auf jeden Fall über unser Leben hinaus existent sein wird.
00:09:18: Das heißt also in dem Moment wo wir Menschen begegnen und das was uns eigen ist an Talenten, an Werten, on Fähigkeiten diesen Menschen anzuvertrauen und wirklich aus vollem Herzen uns selber zu verschenken, um diese Menschen zu ermächtigen das weiterzuleben.
00:09:36: Und dann kann es uns ja eigentlich nicht egal aber zumindest gleich sein ob etwas kommt oder nicht weil wir entweder uns in einer anderen Welt wiederfinden oder aber in den Menschen weiterleben dürfen die sich von uns berührt und inspiriert fühlen.
00:09:54: und ich glaube da gibt's echt schlimmeres.
00:09:56: Was man natürlich schon dazu sagen muss, ist dass die Vertragung auf eine andere Welt oder auf ein nachfolgendes Leben so wie das vielleicht mancher Teilzeit-Buddhist betreibt.
00:10:07: Dass er sagt naja wenn ich wiedergeboren bin dann mache ich das und jenes und werde das und das nachholen.
00:10:13: also das ist ja auch nicht die Idee des Buddhismus sondern da ist ja Buddhismus im Buddhismuses Leben leiden.
00:10:19: das heißt es gilt ja auszusteigen aus diesem Kreis des Lebens.
00:10:21: das heißt sie wollen eigentlich ins Nichts ins Nirwane hinein.
00:10:26: Und nicht zu sagen, geht das mal wieder, irgendwas abarbeiten?
00:10:29: Das kommt ein wenig aus unserem Leistungsdenken, dass das was sich jetzt nicht ausgeht, da bin ich schon so wichtig, das mache ich dann im nächsten Leben.
00:10:37: Dass das jemand anderer vollendet auf die Idee kommen wir oft nicht.
00:10:40: Vielleicht ist trotzdem auch die Angst vor dem Kontrollverlust hier uns einfach so... so verunsichert, was den Tod betrifft.
00:10:48: Und da werden nur logische Konsequenzen, wenn ich die Angst vor dem Kontrollverlust habe, dass ich die Kontrolle in meinem Leben übernehme und mein Leben einfach so lebe, das es für mich Sinn erfüllt ist.
00:10:58: Dass ich wie du sagst die Mission oder meine Bestimmung suche, dass mein Lebensziel auch ist... ...für mich eine Aufgabe zu finden, in der meine Talente mehr Persönlichkeit einbringen kann und so werde ja immer, wann andere Menschen berühre, in denen weiterleben können.
00:11:15: Insofern ist der Kontrollverlust, den ich fürchte kann man zurückholen um im Leben einfach das zu tun was ich tun kann.
00:11:24: Also oder um es auf den Alltag herunterzubrechen muss ja nicht immer gleich Gott bewahren auch Indien fliegen um sich selber zu finden oder sonst irgendwo weite Reisen antreten und sich abschotten von der Welt sondern ich glaube dass wir gerade unsere Aufgabe in der Welt finden.
00:11:36: das heißt wenn ich versuche und jeden Tag gelingt sie nicht aber zumindest hier und da die Welt durch mein tun, ein wenig besser zu machen.
00:11:48: Dann wäre das einen Riesenbeitrag für die gesamte Welt und für die Gemeinschaft in der ich lebe – in meinem unmittelbaren Umfeld.
00:11:55: Und es sind oft einfach ein paar gute Worte.
00:11:58: oder dass man mal nachsichtig ist und eine fünf Grad sein lässt oder dass Man lernt zu verzeihen oder Dass man eben anderen auch hilft und ihnen beisteht ihre Talente zu entwickeln und dann können wir doch guten sehenden Auges auch aus dem Leben gehen, weil wir zurückschauen können und sagen das war ein gutes Leben.
00:12:19: Und ich glaube dass ein wenig die Angst vom Tod dann abnimmt wenn wir eben das Gefühl haben es war ein erfülltes und es war gutes Leben.
00:12:29: Glaubt ihr dass eben auch dieses darüber reden über den tot die angst ein bisschen nehmen kann oder eben da etwas entgegenwirken kann?
00:12:38: Wäre das eine gute Möglichkeit wenn wir mehr drüberreden würden?
00:12:42: Ich glaube, dass wenn wir darüber reden, dass wir uns bewusst werden, dass unser Leben einfach nicht unendlich ist sondern das es endlich ist und in dem Bewusstsein, dass nur eine begrenzte Zeit haben.
00:12:54: Wir vielleicht fokussiert das Gute im Leben leben und wenn wir dann den Leben mehr Sinn geben, verliert das Ende des Lebens den Schreck!
00:13:03: würde ich sagen, um bei diesem Reden zu bleiben gibt es einen richtigen Zeitpunkt über den Tod zu sprechen.
00:13:11: Beispiel jetzt meine Oma liegt am Sterbebett und sie spricht von selber das Thema nicht an obwohl's klar ist dass das in der nächsten Tagen passieren wird.
00:13:22: wie sollte ich mich als Enkelin dann verhalten?
00:13:25: soll ich dann respektieren dass sich vielleicht ja gar nicht über den tot sprechen will über ihren eigenen?
00:13:30: oder soll ich einmal fragen Oma hast du eigentlich Angst, so ist es mir nämlich gegangen wie meine Oma gestorben ist.
00:13:38: Also ich würde sagen dass immer sinnvoll ist bei sich zu bleiben und von sich zu sprechen und zu sagen Oma ich habe vielleicht Angst das Thema mit dir anzusprechen Weil ich habe Berührungsängste oder ich hab Sorge, was es in dir auslöst.
00:13:53: Also einfach mal ein Gesprächsangebot zu geben.
00:13:56: Aber wie kann man erinnern?
00:13:56: Wie meine Oma so im Sterben lag, da hab ich auch das Gefühl, ihr möcht's mit ihr ansprechen.
00:14:01: und ich hab dann gefragt, Oma, was glaubst du eigentlich, was danach ist?
00:14:05: Ich hab so versucht über ihre Glaubensrichtung oder über ihre Lebenserkenntnisse mich dem Thema anzunähern.
00:14:13: Aber mich hat's interessiert.
00:14:14: also finde offene Haltung ist ja ganz ein wichtiges um mit jemandem ins Gespräch zu kommen.
00:14:20: Und nicht hast du Angst oder wird's glaubst schlimm sein, sondern eher mich würde es interessieren wie es dir jetzt geht.
00:14:28: was geht jetzt in dir vor?
00:14:30: und ich bin offen.
00:14:31: Ich bin offen das ging über laut dich zum Gespräch ein.
00:14:34: Glaubt das wäre eine gute Haltung?
00:14:36: aber ich empfehle schon es anzusprechen weil sonst verfolgt sind immer wieder dass man sagt mein dem Moment die ich hätte so gern aber das ist mein Versuch.
00:14:44: ma mir würde es jetzt interessieren wenns für dich passt Und aber auch zu respektiven, wenn der sagt nein.
00:14:50: Dann ist's okay?
00:14:51: Ich glaube das es den richtigen Zeitpunkt gar nicht gibt.
00:14:55: also es gibt viele Zeitpunkte im Leben wo es schön wäre wenn wir uns für das Leben des anderen interessieren und dessen Welt anschauen und ich glaube dass es genau um das geht.
00:15:03: Wir können über das Nichts nichts sprechen.
00:15:06: Also wir können über was danach kommt nicht sprechen weil es keiner weiß und weil wir auch keine Worte dafür haben.
00:15:12: Aber wir können natürlich über Gefühle sprechen, wie geht es dir?
00:15:16: Wie geht's mir mit der Situation in der wir uns jetzt befinden.
00:15:19: Die ist ja tatsächlich real und die hat aber eigentlich was mit dem Leben zu tun.
00:15:23: Und wir können auch für das Leben des anderen interessieren.
00:15:26: Was sind Momente auf die du stolz bist wenn du auf dein Leben zurück schaust?
00:15:31: Würdest du vielleicht anders machen oder was findest du besonders gelungen?
00:15:34: oder was war wichtig?
00:15:35: und gibt es Dinge die du mehr mitgeben möchtest für mein Leben Dinge, die ich vielleicht weiter tragen kann.
00:15:41: Die mir dann bewusster sind?
00:15:43: also und dieses Sprechen über das Leben inkludiert immer auch dass es irgendwann nicht mehr ist.
00:15:50: Also Abschied heißt ja immer auch Verantwortung übernehmen für das Leben des anderen Und insofern einzutauchen.
00:15:57: das Leben der anderen ist nie der verkehrte Zeitpunkt und wenn einem gar nichts einfällt Dann ist zuhören immer die größte Wertschätzung die man ausdrücken kann.
00:16:07: denn Wenn man wirklich ernsthaft zuhört, ohne dass man sofort die Antworten überlegt.
00:16:12: Sondern ganz beim anderen ist dann stellt man ja seine eigenen Bedürfnisse hinten an und in der Stille des Zuhörens sagt man dann eigentlich am lautesten du bist mir wichtig.
00:16:22: also das was du sagst hat eine Bedeutung für mich.
00:16:24: Und wenn beide schweigen, dann schenken sich beide die ungeteilte Aufmerksamkeit.
00:16:29: Also jeder ist ganz beim Anderen und deine stärkere Verbindung kann es wohl kaum geben.
00:16:34: Sehr schöne Worte, die du da gesagt hast gerade.
00:16:37: Du hast vorhin Julia das Thema Nie-Death Experience angesprochen.
00:16:42: Was sagt ihr beide aus Bestattungssicht dazu?
00:16:45: Also könnt ihr mit so etwas anfangen was da halt berichtet wird?
00:16:49: Da hat es ein Licht gegeben und so weiter.
00:16:51: also ich habe mich mit solchen Büchern jetzt noch nie ehrlicherweise genauer beschäftigt.
00:16:56: aber beschäftigt ihr euch mit sowas auch
00:16:59: Jetzt nicht intensiv, aber ich nehm's wahr.
00:17:01: Dass manche das berichten und die glaubt es ihnen natürlich.
00:17:05: Und ich find an sich auch eine schöne Vorstellung ... Sie haben ein liebevolles Gefühl gehabt.
00:17:09: Weil die meisten dieser Erfahrungsberichte sind an sich eher positiv.
00:17:13: oder ist das nur meine selektive Wahrnehmung?
00:17:15: Ich weiß es nicht!
00:17:15: Aber
00:17:16: was ich
00:17:17: so mitbekommen hab, ist es eher positiv.
00:17:19: Dann denken wir ja, an sich alles, was mich beruhigt, ist doch schöner Gedanke.
00:17:24: Also deswegen hinter Frage, das ist gar nicht näher.
00:17:26: Sondern ich sage einfach mal für die war es ein positives Erlebnis und vielleicht für manche ist dies eine Erleichterung, eine tröstliche Vorstellung.
00:17:34: Wieso nicht?
00:17:35: Und ich glaube dass es sehr tröstlich sein kann, dass wenn es keine Wahrnehmung darüber gibt was danach kommt, dass wir uns nicht darüber steiten brauchen wer recht hat und wer nicht recht hat.
00:17:47: Insofern darf ja jeder seine Vorstellung haben.
00:17:50: und wie tröstlig ist das mein Großvaters mit Als ich zwölf Jahre war gestorben, wie schön wäre das wenn ich sterbe jemand so wie er den ich bedingungslos liebe mit ausgebreiteten Armen auf mich zukommt.
00:18:07: Also wenn uns das hilft im Guten zu leben dann ist es eine gute Vorstellung Wenn ich annehme dass danach nichts kommt um jetzt rücksichtslos Leben zu können und keine Konsequenzen davonzutragen dann ist wahrscheinlich nicht ganz ideal.
00:18:21: Wir haben jetzt in den letzten Minuten sehr viel über dieses Reden gesprochen, reden über den Tod Angst vor dem Tod.
00:18:29: Wenn wir ein bisschen eine Zusammenfassung unter Anfangszeichen machen was würdet ihr denn Hörerinnen und Hörern mitgeben zu diesem Thema?
00:18:38: Ist der Tod ein Tabu und wie gelingt es darüber zu reden?
00:18:43: Ich glaube dass man über den Tot nicht sprechen kann weil man über das nichts gerne Worte findet.
00:18:49: Aber über das Leben zu sprechen geht immer, und das ist eigentlich mein Appell.
00:18:56: Immer wieder sich für das Leben des anderen und die Innenschau des Anderen zu interessieren – und zwar auf eine ganz offene ehrliche Art und Weise wo man seine eigenen Gedanken mal zur Seite stellt und wirklich wertfrei hineinschaut in das Leben der andere.
00:19:12: Es kann im schlimmsten Fall nur inspirierend sein!
00:19:17: Und dann geht man am Ende reicher aus dieser Begegnung heraus, als man hineingegangen ist.
00:19:24: Dann hat der andere ein wenig von seinem Leben auch in mein Leben hineingelegt und damit wahrscheinlich auch ein wenig Unsterblichkeit gewonnen.
00:19:31: Schön!
00:19:31: Das sind sehr schöne Abschlussworte, Julia.
00:19:35: Für mich ist das Bewusste auseinandersetzen mit der eigenen Endlichkeit auch ein Hinwenden dem eigenen Leben?
00:19:41: zu dem eigenen Sinn des Lebens und was ist mir wichtig, was ich auch weitergebe.
00:19:48: Und insofern kann die Angst durchaus etwas Positives sein, weil sie lenkt meinem Fokus darauf, was mir wichtig ist.
00:19:56: Ich glaube um das geht es.
00:19:58: werde ich mir auf jeden Fall auch privat mitnehmen.
00:20:02: Ich sage vielen Dank an euch beide, war wieder eine sehr inspirierende und sehr private Episode.
00:20:09: Ich glaube diese Themen sind alle in gewisser Weise sehr tiefgehend und das ist ja der Schöne an unserem Podcast dass wir eben darüber reden damit uns das Thema einfach Leichter fällt vielleicht zu begreifen.
00:20:24: Liebe Hörerinnen, liebe Hörern!
00:20:25: Das war eine neue Episode von In guten Händen et do Brezberger der Podcast rund um Leben tot und Trauer.
00:20:34: Unser Podcast erscheint ab sofort immer am ersten Dienstag im Monat Und bitte aktiviert auf Spotify gleich die Glocke damit ihr das Erscheinen einer neuen Episode keinesfalls verpasst.
00:20:47: Wir hören uns wieder in vier Wochen.
00:20:48: Ich sage herzlichen Dank an euch
00:20:50: beide.
00:20:51: Herzlichen Dank.
00:20:51: Sehr
00:21:06: gerne!
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